Reihe: Musik – Kultur – Geschichte, Band 20, Würzburg 2024, Königshausen & Neumann; ISBN 978-3-8260-8322-8, 334 S., 23,5 x 15,5 cm, kartoniert, € 48,00
Ausführlicher Blick auf die Berliner Sonaten von Quantz
Die Musikwissenschaftlerin und Flötistin Susanne Schrage unternimmt in dem Buch Komposition und Vortrag – Die Berliner Flötensonaten von Johann Joachim Quantz den ausführlichen und gelungenen Versuch, sich den dreisätzigen Sonaten der Berliner Zeit des Komponisten unter verschiedenen Aspekten zu nähern. Neben Daten zum kulturhistorischen Hintergrund sowie Stil und Datierungsfragen sind für Musikerinnen und Musiker vor allem die Kapitel zu Form, Verzierungen, Artikulation und Dynamik von besonderem Interesse. Hier wird vieles eindeutig und klar dargestellt, was im Buch von Quantz manchmal etwas unübersichtlich oder mehrdeutig erscheint.
Den weitaus größten Raum in der Untersuchung nimmt die Frage nach dem „richtigen“ Tempo ein, die auch in der Praxis von zentraler Bedeutung ist. Quantz’ vier Tempokategorien, die sich nach einem Puls von 80 MM ausrichten, werden sehr kleinteilig unter dem Blickwinkel von Modifikationen durch minutiöse Satzbezeichnungen betrachtet. Dabei stellt sich einerseits heraus, dass das extrem langsame Tempo von 40 MM, sowie das extrem schnelle Tempo von MM 160 nur in Ausnahmefällen wirklich zutrifft. Susanne Schrage kann nachweisen, dass in den Berliner Sonaten zunehmend das Tempo so weit ausdifferenziert wird, dass die starren Tempokategorien lediglich vage Anhaltspunkte darstellen. Ob die vielen dargestellten Justierungen durch charakterisierende Bezeichnungen auch übertragbar auf die Musik der Berliner Zeitgenossen sind, bleibt offen. Das wäre natürlich für die Praxis interessant.
Insgesamt gelingt ein ausgesprochen fundierter Blick auf die Sonaten von Quantz in Berlin. Für Musikerinnen und Musiker, die mit dieser und ähnlicher Musik beschäftigt sind, ein absolut empfehlenswerter Lesetipp.
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