Georg Philipp Telemanns Werke mit „Flauto piccolo“, „Quartflöte“ und „Octavflöte“ erscheinen in zunehmendem Maß in Neuausgaben und auf Konzertprogrammen. Die Frage, welche Instrumente sich hinter diesen Begriffen verbergen, ist also nicht nur für Herausgeber und Organologen relevant, sondern auch für Flötistinnen und Flötisten, denen im Barockorchester unerwartet eine entsprechende Stimme auf das Pult gelegt wird.
Mit Flauto, Flûte, Flauto dolce, Flûte à bec oder einfach Flöte meint Telemann und seine Generation die Blockflöte, im Normalfall das Standardinstrument in f1, heute Altblockflöte genannt. Dagegen wird die Querflöte immer mit Flauto traverso, Flûte traversière o. ä. bezeichnet. Für hohe Blockflöten verwendet Telemann die Begriffe „Flauto piccolo“, „Quartflöte“ und „Octavflöte“.1 Welche Formen der Blockflöte sich hinter diesen Bezeichnungen verbergen, soll im Folgenden anhand von Belegen aus Telemanns Werken untersucht werden.2
Diese Fragestellung ist nicht völlig neu. In Einzelheiten kann an ältere Forschungen angeknüpft werden.3 Bezüglich der „Quartflöte“ führte eine neue Untersuchung4 zu einer Revision der Ansichten von Lenz Meierott, Ulrike Teske-Spellerberg und Erich Tremmel. Dagegen können einzelne Erkenntnisse von Hans Oskar Koch, Willi Maertens und David Lasocki sowie die Ausführungen von Klaus Hofmann bestätigt werden.
Bei der Untersuchung5 wird nicht nur auf Neuausgaben, sondern auch auf handschriftliche Quellen zurückgegriffen, in erster Linie auf Telemanns eigene Handschriften und auf Quellen aus seinem Umfeld. Bei Werken, die nur in späteren Abschriften oder durch später modifiziertes Aufführungsmaterial überliefert wurden, muss mit Änderungen in Besetzung und Notationsweise gerechnet werden.
I. Flauto piccolo
Der Begriff „Flauto piccolo“ ist der am wenigsten spezifische der hier zu diskutierenden Instrumentennamen. Wörtlich genommen bezeichnet er eine kleine Flöte, im Sprachgebrauch der Generation Telemanns also eine kleine Blockflöte. Nach Daniel Speer (1687, 21697), Thomas Balthasar Janowka (1701), Johann Gottfried Walther (1732), Johann Philipp Eisel (1738) und Daniel Berlin (1744) kommen dafür in erster Linie Instrumente in c2 und f2 in Frage.6 Die wichtigsten Kriterien zur Bestimmung des Flötentypus sind der Tonumfang und die Notationsweise:
Telemann hat den Flauto, die heutige Altblockflöte in f1, in dieser Form notiert:
Die Besetzungsangabe Flauto piccolo begegnet in den folgenden 12 Werken Telemanns aus den Jahren 1719 bis 1733 (in chronologischer Folge):
Kantate „Alles redet itzt und singet“, Darmstadt 1719, Hamburg 1720, Frankfurt 1721 (TVWV 20:10)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Alles redet jetzt und singet (…), hrsg. von Werner Menke, Kassel 1955, Bärenreiter-Ausgabe 767
Quelle7 1: D-SHm, Mus. A 17:39 (Partiturabschrift): Flauto piccolo 1, 2 im G2-Schlüssel8
Quelle 2: D-Hs, M B/1743 (Partiturabschrift): Flauto piccolo 1, 2 im G2-Schlüssel
Quelle 3: D-RH (Depositum in D-MÜu), Rheda 766, 767 (Stimmenabschrift): modifizierte Besetzungsangabe 2. Flaut a beck (G2-Schlüssel)
Die beiden Flauti piccoli wirken in folgenden Sätzen mit:
Ritornell und Duett „Alles redet itzt und singet“ (Nr. 1), C-Dur
Accompagnato „Sobald das güldne Morgenlicht“ (Nr. 2), a-Moll
Arie „Beflügelte Bürger beblätterter Zweige“ (Nr. 3), C-Dur
Arie „Unbetrügliche Waldsirene“ (Nr. 7), G-Dur
Arie: „Da Welt und Himmel jubilieret“ (Nr. 9), B-Dur
Duett: „Willst du Mensch, da Gott zu Ehren alles tönet“ (Nr. 11), C-Dur
Flauto piccolo I, notiert f1–c3 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert d1– c3 im G2-Schlüssel
Mit Flauto piccolo ist hier die Blockflöte in c2 gemeint. Gegenüber der Notation erklingt sie eine Oktave höher.
Pfingstkantate „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“, Frankfurt 1721 (TVWV 1:1589)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten (…), hrsg. von Eric F. Fiedler, Frankfurt 2017, Habsburger Verlag FTA 104
Quelle 1: D-F, Ms. Ff. Mus. 1474 (autographe Partitur und apographe Stimmen)
Quelle 2: D-Bsa, SA 653 (Partitur)
Bass-Arie „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ (Nr. 1), G-Dur
Flauto piccolo I, notiert e1–c3 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert d1–h2 im G2-Schlüssel
Sopran-Arie „Schmücket die Herzen, bezirzet die Seelen“ (Nr. 4), D-Dur
Flauto piccolo I+II unisono, notiert e1–h2 im G2-Schlüssel
Eric F. Fiedler weist die Flauto-piccolo-Partien zu Recht c2-Sopranblockflöten zu.9
Passionsoratorium „Seliges Erwägen“, Hamburg 1722 (TVWV 5:2)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Musikalische Werke, Bd. 33, hrsg. von Ute Poetzsch, Kassel 2001
Quelle 1: D-B, Mus.ms. 21710 (Partitur)
Quelle 2: D-ROu, Mus. saec. XVIII. 18. 451 (Stimmen)10
Tenor-Arie „Sollt ich deiner wohl vergessen?“ (Nr. 5), G-Dur
Flauto piccolo I, notiert g1–h2 im G2-Schlüssel (Quelle 1 und 2)
Flauto piccolo II, notiert fis1–h2 im G2-Schlüssel (Quelle 1)11
Sopran-Arie „Tränen, die der Glaube zeuget“ (Nr. 31), F-Dur
Flauto piccolo I+II unisono, notiert f1–c3 im G2-Schlüssel (Quelle 1) bzw. b1–f3 in B-Dur im G1-Schlüssel (Quelle 2)
Die transponierende Notation in Quelle 2 zeigt, dass die Partien für c2-Blockflöte gedacht sind.12
Abb. 1: Passionsoratorium „Seliges Erwägen“ (TVWV 5:2), Sopran-Arie „Tränen, die der Glaube zeuget“ (Nr. 31), Flauto piccolo aus Quelle 2; transponierende Notation im G1-Schlüssel in B-Dur (es-Vorzeichnung fehlt), klingend eine Quinte höher in F-Dur.
Oper „Genserich oder Sieg der Schönheit“, Hamburg 1722, (TVWV 21:10)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Musikalische Werke, Bd. 42, hrsg. von Wolfgang Hirschmann, Kassel 2008
Quelle: D-B, Mus. ms. 21777 (Partitur)
Bass-Arie „Die Schöne soll bei Sonnenschein“ (Nr. 14a), A-Dur
Flauti piccoli I+II, notiert e1–g2 im G2-Schlüssel
Duett „Brünstige Triebe reinester Liebe“ (Nr. 61), D-Dur
Flauto piccolo I, notiert fis1–h2 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert d1–gis2 im G2-Schlüssel
Bass-Arie „Kleiner Liebesgott“ (Nr. 104), F-Dur
Flauto piccolo e Haub: 1, notiert f1–b2 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo e Haub: 2, notiert e1–g2 im G2-Schlüssel
Anders als Lenz Meierott13 und David Lasocki14 vermuten, gibt es hier keine Gründe für den Einsatz von d2-Blockflöten. Die Partien sind gut auf der c2-Blockflöte ausführbar.
Serenade „Unschätzbarer Vorwurf erkenntlicher Sinnen“, Jubelmusik für die Hamburger Admiralität 1723 (TVWV 24:1)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Hamburger Admiralitätsmusik 1723 (…), für den „Arbeitskreis G. Ph. Telemann, Magdeburg“ hrsg. von Willi Maertens, Leipzig 1966, Deutscher Verlag für Musik
Quelle: D-B, Mus. ms. 21759 (Partitur)
Chor „Sage, schönster Nymphenchor“ (Nr. 22), C-Dur
Flauto piccolo I, notiert a1–b2 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert g1–a2 im G2-Schlüssel
Auch hier sind mit den Flauti piccoli c2-Sopranblockflöten gemeint.
Serenade „Unsre Freude wohnt in dir“, Eisenach 1723 (TVWV 12:4)
Quelle: D-F, Ms. Ff. Mus. 1578 (Partitur)
Tenor-Arie „Spielt, ihr holden, zarten Winde“ (Nr. 3), G-Dur
Flauto piccolo I, notiert d2–e3 im G1-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert cis2–d3 im G1-Schlüssel
Aufgrund der Notation weist Hans Oskar Koch15 diese Partien korrekt zwei f2-Blockflöten zu.
Ouverture „Hamburger Ebb‘ und Flut“ C-Dur, Hamburg 1723 (TWV 55:C3)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Musikalische Werke, Bd. 10, hrsg. von Friedrich Noack, Kassel 1955
Quelle 1: D-B, Mus. ms. 21784/1 (Partitur, Schreiber: S. Hering)
Quelle 2: D-DS, Ms. mus. 1034/39 (Partitur, Schreiber: Christoph Graupner)
Quelle 3: D-KA, Mus. Hs. 1075 (Stimmen)
Menuet „Der angenehme Zephir“ (Nr. 8) C-Dur
Flauto piccolo I, notiert g1–b2 im G2-Schlüssel (Quelle 1 und 2)
Flauto piccolo II, notiert g1–a2 im G2-Schlüssel (Quelle 1; Quelle 2: Flauto)
In dieser Ouverture spielen die beiden Bläser abwechselnd Oboe, Flûte traverso, Flûte à bec und Flauto piccolo. Die Stimmen für Flûte à bec sind im G1-Schlüssel notiert, die für Flauto piccolo im G2-Schlüssel. Im Menuet, dem einzigen Satz mit Flauto piccolo, sind in Quelle 1 beide Bläserstimmen mit Flauto piccolo besetzt, in Quelle 2 nur die erste. Für die zweite Partie ist ein Flauto vorgesehen. Satztechnisch ist es jedoch naheliegend, dass die beiden Partien in der gleichen Oktavlage erklingen sollen, wie in Quelle 1 vorgesehen. Nach Notation und Umfang sind die beiden Stimmen mit c2-Sopranblockflöten zu besetzen. – Der Ausgabe von Friedrich Noack liegt nur die Quelle 2 zugrunde.
Abb. 2: Ouverture „Hamburger Ebb‘ und Flut“ C-Dur (TWV 55:C3), Partitur des Menuet (Quelle 1) mit Flauto Piccolo 1 und 2
Oper „Die wunderbare Beständigkeit der Liebe oder Orpheus“, Hamburg 1726 (TVWV 21:18)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Musikalische Werke, Bd. 50, hrsg. von Wolfgang Hirschmann (unter Mitarbeit von Ulf Grapenthin), Kassel 2011
Quellen: D-WD, Signatur 761 (2 Partituren)
Tenor-Arie „Augeletti, che cantate“ (Nr. 70), G-Dur16
Flauto piccolo ò Oboa, notiert fis1–d3 im G2-Schlüssel
Die Notation spricht dafür, dass mit „Flauto piccolo“ eine Blockflöte in c2 gemeint ist. Ungewöhnlich ist allerdings der Tonumfang bis zum notierten d3. Die Partie ist auch auf einer f2-Blockflöte spielbar, für diese wäre aber entsprechend der Notation des „Flauto“ in der Arie „Einsamkeit ist mein Vergnügen“ (Nr. 10) der G1-Schlüssel zu erwarten.
Serenade „Mit innigstem Ergötzen“, Bürgerkapitänsmusik 1728 (TVWV 15:4)
Quelle: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann 28 (Partitur)
Bass-Arie „Ein redliches Gemüte“ (Nr. 7), a-Moll
2 Flauti piccoli unisono, notiert e1–a2 im G2-Schlüssel
Schlüsselung und Tonumfang sprechen für die Bestimmung für c2-Sopranblockflöten.
Kantate „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ 1731 (TVWV 1:1251)
Quelle: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann 83 (Partitur)
Eingangschor „Schmecket und sehet“, D-Dur
Flauto piccolo I, notiert fis1–a2 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert e1–e2 im G2-Schlüssel
Tonumfang und Notation sprechen für c2-Sopranblockflöten.
Passionsoratorium „Die gekreuzigte Liebe“, Hamburg 1731 (TVWV 5:4)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Die gekreuzigte Liebe (…), hrsg. von Carsten Lange, Magdeburg 1995/2000
Quelle: D-B, Mus.ms. 21712 (Partitur)
Bass-Arie „Aus Liebe lag ich in der Krippen“ (Nr. 24), G-Dur
Flauto piccolo I, notiert d1–h2 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert d1–h2 im G2-Schlüssel
Tonumfang und Notation sprechen für c2-Sopranblockflöten.
Trauer-Kantate auf das Absterben Friedrich August des 2ten, König von Pohlen „In dunkler Nacht, bestürzt und bange“, Hamburg 1733 (TVWV 4:7)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Musikalische Werke, Bd. 49, hrsg. von Ralph-Jürgen Reipsch, Kassel 2007
Quelle: US-Wc, Signatur M 2020. T35 T6 (Partitur)
Duett Sopran-Tenor „Erheitre die betränten Augen“ (Nr. 26), F-Dur
Flauto piccolo I, notiert f1–c3 im G2-Schlüssel
Flauto piccolo II, notiert f1–c3 im G2-Schlüssel
Die Partien der beiden Flauti piccoli sind wohl für c2-Blockflöten gedacht, jedoch auch auf f2-Flöten spielbar.
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Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich bei Telemann unter dem Begriff Flauto piccolo kleine Blockflöten in zwei verschiedenen Stimmlagen verbergen. Nach heutiger Terminologie handelt es sich um die c2-Sopran- und die f2-Sopraninoblockflöte. Von den 12 Werken aus den Jahren 1719 bis 1733 sind 9 eindeutig für die c2-Blockflöte geschrieben. Dagegen ist die Serenade „Unsre Freude wohnt in dir“ (TVWV 12:4) für die f2-Blockflöte bestimmt. In der Oper „Die wunderbare Beständigkeit der Liebe oder Orpheus“ (TVWV 21:18) und in der Trauerkantate (TVWV 4:7) sind die Flauto-piccolo-Partien so angelegt, dass die Wiedergabe sowohl auf der c2- als auch auf der f2-Blockflöte möglich ist. Mit Ausnahme der Serenade TVWV 12:4 sind alle Partien in den Quellen im G2-Schlüssel notiert.
II. Quartflöte
Von Georg Philipp Telemann sind bisher 13 Werke mit Quartflöte bekannt geworden. Im ältesten Werk von 1729 benennt Telemann das Instrument italienisch „Flauto alla quarta“, in Werken der Jahre 1744 bis 1761 verwendet er den deutschen Begriff „Quartflöte“. Die meisten Stücke stammen also aus der Zeit, in der Telemann Vortrags-, Tempo- und Besetzungsbezeichnungen in der Vokalmusik nicht mehr italienisch oder französisch, sondern deutsch angegeben hat. Als Wendepunkt nennt Werner Menke für die Kirchenkantaten den Neujahrstag 1734,17 Willi Maertens Januar / Mai 1733.18
Bei Lenz Meierott, Erich Tremmel und anderen wird Telemanns Quartflöte irrtümlich als kleine Traversflöte in g1 gedeutet. In der oben genannten Studie zur Geschichte der Quartflöte19 wird jedoch nachgewiesen, dass es sich um eine Sopranblockflöte in c2 handelt. Die Bezeichnung „Quartflöte“ erhielt dieses Instrument im 17. Jahrhundert, als die um eine Quarte tiefer gestimmte g1-Blockflöte noch den Bezugspunkt bildete.
In den Partitur-Quellen sind die Quartflöten-Partien – wie die meisten Flauto-piccolo-Partien – immer im G2-Schlüssel notiert. Gelegentlich ist allerdings in den Einzelstimmen die oben beschriebene, transponierende Schreibweise im G1-Schlüssel zu finden, bei der die c2-Blockflöte mit den Griffen der f1-Blockflöte gelesen werden kann.
Telemanns Werke mit „Quartflöte“ in chronologischer Folge:
Oper „Aesopus bei Hofe“, Hamburg 1729 (TVWV 21:26)20
Sopran-Arie „Più del fiume da diletto“ / „Einem eingezogenen Leben“ (C-Dur)
Quelle: Druck als reduzierte Partitur in der 10. und 11. Lektion des Periodikums „Der Getreue Music-Meister“
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Più del fiume da diletto / Einem eingezogenen Leben. Arie für Sopran, Sopranblockflöte oder Oboe und Cembalo, hrsg. von Klaus Hofmann; Neuhausen-Stuttgart 1981 (Hänssler), jetzt Carus-Verlag Stuttgart CV 39.450
Flauto alla qvarta, ò Oboe, ò Violino, Umfang notiert e1–c3 im G2-Schlüssel.
Bürgerkapitänsmusik Hamburg 1744 (TVWV 15:15), bestehend aus Oratorio „Vereint euch, ihr Bürger“ und Serenata „Freiheit! Göttin, die Segen und Friede begleitet“
Quelle Oratorio: D-B, Mus. ms. 21760 (Stimmen)
Quelle Serenata: D-B, Mus. ms. 21761 (Stimmen)
Bass-Arie „Gebet den Vätern Preis und Ehre“, a-Moll
Quartflöte, notiert c2–e3 im G1-Schlüssel in d-Moll, Klang eine Quinte höher als g2–h3
Schlusschor „Sei ferner, o Hamburg“, G-Dur
Ursprünglich Querpfeife, notiert e1–c3 im G2-Schlüssel, dann ersetzt durch Quartflöt21
Matthäus-Passion „Wenn meine Sünd mich kränken“, Hamburg 1750 (TVWV 5:35)
Quelle: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann 21 (Partitur)
Sopran-Arie „Dies Geheimnis zu ergründen“ (Nr. 54), F-Dur
Quartflöte, notiert g1–b2 im G2-Schlüssel
In der Quartflöten-Partie werden im Unisono mit der Violine I die als c3 und d3 notierten Spitzentöne durch Stimmknickung vermieden.
Abb. 3: Matthäus-Passion „Wenn meine Sünd mich kränken“ (TVWV 5:35), autographe Partitur der Arie „Dies Geheimnis zu ergründen“ mit Quartflöte.
Musik zum Konvivium der Hamburger Bürgerkapitäne, Hamburg 1755 (TVWV 15:20), bestehend aus Oratorio „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“ und Serenata „Ihr rüstigen Wächter hamburgischer Zinnen“
Ausgabe: G. Ph. Telemann, Musikalische Werke, Bd. 63, hrsg. von Bernhard Jahn, Kassel 2021
Quelle: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann 9 (Partitur)
Oratorio, Sopran-Arie „Dich preisen die Scharen“ (Nr. 9), C-Dur
Quartflöte I, notiert g1–c3 im G2-Schlüssel
Quartflöte II, notiert fis1–c3 im G2-Schlüssel
Serenata, Sopran-Arie „Wenn wohlverdienter Bürger Ehre“ (Nr. 15), C-Dur
Octavflöte, siehe unten, Kapitel III
Quartflöte, notiert e1–a2 im G2-Schlüssel
Oratorium „Der Tod Jesu“, Hamburg 1755 (TVWV 5:6)
Ausgabe: G. Ph. Telemann, Musikalische Werke, Bd. 31, hrsg. von Wolf Hobohm, Kassel 2006
Quelle 1: D-Bsa, SA 170 (Partitur-Abschrift, von Telemann revidiert, und Stimmen)
Quelle 2: D-B, Mus. ms. 21722 (Partitur-Abschrift, von Telemann revidiert)
Quelle 3: D-B, Mus. ms. 21722/2 (Stimmen)
Quelle 4: A-Wn, Fond Kiesewetter, Signatur SA-68-C-21 (Partitur-Abschrift)
Sopran-Arie „Singt dem göttlichen Propheten“ (Nr. 20), C-Dur
1. Quart Flöte, notiert g1–c3 im G2-Schlüssel (Quelle 1 Partitur und Quelle 2)
2. Quart Flöte, notiert fis1–c3 im G2-Schlüssel (Quelle 1 Partitur und Quelle 2)
Die beiden Traversflötenstimmen der Quelle 1 enthalten für die Arie „Singt dem göttlichen Propheten“ auch die Partien der Quartflöten, notiert im G2-Schlüssel, wie in der Partitur. In den Zusatzstimmen I Quartflöthe und 2te Quart Flöthe sind die Partien im G1-Schlüssel notiert, jedoch nicht transponierend, wie es für Quartflötenpartien zu erwarten wäre. Wenn es sich bei dieser Notation nicht um einen Irrtum handelt, waren die Abschriften für f1- oder f2-Blockflöten gedacht. Weil das notierte f1 nicht unterschritten wird, sind die Partien auf diesen Instrumenten spielbar.
Die Quelle 3 stammt aus dem Besitz von Georg Michael Telemann und entstand um 1760 in Hamburg. Sie enthält Stimmen für „Kleine Flöte Traver.“, die als Ersatz für die Quartflöten gedacht sind. Diese sind im G2-Schlüssel in A-Dur notiert, also transponierend in Es. Offensichtlich sind diese Stimmen für Terzquerflöten in Es (Sechsfingergriff f1) bestimmt, die ersatzweise für die nicht verfügbaren Quartflöten eingesetzt wurden.22
Die Quelle 4 ist vermutlich ebenfalls in Hamburg entstanden. Sie enthält eine Transpositionsanweisung für das Ausschreiben von Quartflötenstimmen. Diese sollen von C-Dur aufwärts nach F-Dur transponiert und im G1-Schlüssel notiert werden. Das Ergebnis wären Stimmen in Griffnotation für Spieler, die das Lesen der f1-Altblockflöte aus dem französischen Violinschlüssel gewohnt sind und mit der gleichen Griffvorstellung c2-Sopranblockflöte spielen.23
Unter Quartflöten sind auch in diesem Werk c2-Blockflöten zu verstehen. Die Partien könnten jedoch in der intendierten Oktavlage auch auf f2-Blockflöten ausgeführt werden.
Kantatenzyklus „Die Tageszeiten“, Hamburg 1757 (TVWV 20:39)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Die Tageszeiten TVWV 20:39, hrsg. von Brit Reipsch, Stuttgart 2008, Carus-Verlag CV 39.137
Quelle: D-B, Mus. ms. 21781/8 (Partitur)
Sopran-Arie „Der Morgen kömmt“ (Nr. 2), F-Dur
Quart-Flöte, notiert f1–c3 im G2-Schlüssel
Chor „Willkommen, holdseliger Morgen“ (Nr. 5), F-Dur
Quartflöte, notiert c1–c3 im G2-Schlüssel
In der Quelle findet sich bei der Violine I der Sopran-Arie ein Hinweis für den Kopisten: Das Starke mit der Hoboe, welche zugleich mit einer Quartflöte besetzt, und in die zwote Partie geschrieben wird.24 Die Quartflöte sollte also vom zweiten Oboisten gespielt werden.
Kantate „Es komm mein End heut oder morgen“ Hamburg 1758 (TVWV 1:519)
D-B, Mus. ms. 21736/330 (Stimmen)
Sopran-Arie „So fruchtbar ist kein Abend“ (Nr. 11), C-Dur
Quartflöte I, notiert c2–f3 im G1-Schlüssel in F-Dur
Quartflöte II, notiert h1–f3 im G1-Schlüssel in F-Dur
Eine spätere Ersatzstimme Ite Flöte (statt der Quartflöte) bestätigt, dass die Partien der Quartflöten eine Quinte höher in C-Dur erklingen müssen.
Markus-Passion „Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten“, Hamburg 1759 (TVWV 5:44)
Quelle: D-B, Mus. ms. 21703 (Stimmen)
Tenor-Arie „Durch Buß, der Freundschaft sicher Zeichen“ (Nr. 9), C-Dur
Quartflöte I oder Klarinette, notiert g1–c3 im G2-Schlüssel
Quartflöte II oder Klarinette, notiert g1–c3 im G2-Schlüssel
Alle Partien für je zwei Oboen, Traversflöten und Quartflöten bzw. Klarinetten sind in der Stimme Hoboe zusammengefasst.
Kantate „Die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem“, Hamburg 1759 (TVWV 1:797)
Ausgabe: G. Ph. Telemann, Musikalische Werke, Bd. 30, hrsg. von Wolf Hobohm, Kassel 1997
Quelle 1: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann 5 (Partitur)
Quelle 2: D-B, Mus. ms. 21720 (Partitur)
Tenor-Arie „Schönstes Kind aus Juda Samen“ (Nr. 9), h-Moll
Quartflöte 1, notiert fis1–c3 im G2-Schlüssel
Quartflöte 2, notiert fis1–h2 im G2-Schlüssel
Kapitänsmusik „Herr, du bist gerecht“, Hamburg 1760 (TVWV 15:23), bestehend aus Oratorio „Herr, du bist gerecht“ und Serenata „Wir nähren, wir ziehren“
Quelle 1: D-B, Mus. ms. autogr. Telemann 23 (Partitur)
Quelle 2: D-B, Mus. ms. 21743/45 (Stimmen Oratorio)
Quelle 3: D-B, Mus. ms. 21755/10 (Stimmen Serenata)
Oratorio, Sopran- bzw. Bass-Arie „Kleine Geister glauben“ (Nr. 17), a-Moll
Quelle 1: Quartflöte, notiert e1–c3, im G2-Schlüssel
Quelle 2: Quartflöte in Stimme „Erste Schalümoo“, Umfang a1–f3 im G1-Schlüssel in d-Moll
Serenata, Tenor-Arie „Auch zu Kleinigkeiten“ (Nr. 7), F-Dur
Quelle 1: Quartflöte, notiert g1–b2 im G2-Schlüssel
Quelle 3: Quartflöte in Stimme „Querflöte“, notiert c2–es3 im G1-Schlüssel in B-Dur
In Quelle 1 sind die Quartflöten (c2-Blockflöten) in der traditionellen Schreibweise im G2-Schlüssel notiert, in Quelle 2 und 3 transponierend in der Griffweise für f1-Blockflöten.
Johannespassion „Der Herr erhöre dich“, Hamburg 1761 (TVWV 5:46)
Quelle: D-B, Mus. ms. 21705 (Stimmen)
Sopran-Arie „Bist du’s, Versuchung“ (Nr. 11), C-Dur
Quartflöte, notiert cis2–d3 im G1-Schlüssel in F-Dur
Ersatzstimme Klarinett / statt der Quartflöte, notiert gis1–a2 im G2-Schlüssel in C-Dur. Die Stimme für die Quartflöte in c2 ist also transponierend mit Griffen für die f1-Blockflöte notiert und klingt in C-Dur als gis2–a3.
Serenata „Don Quichotte, der Löwenritter“, Hamburg 1761 (TVWV 21:32)
Ausgabe: Georg Philipp Telemann: Don Chichotte auf der Hochzeit des Comacho, hrsg. von Bernd Baselt, Madison 1991 (A-R Editions)
Quelle 1: D-B, Mus. ms. autogr. Telemann 24 (Partitur)
Quelle 2: D-B, Mus. ms. 21776 (Partiturabschrift)
Chor „Die schönste Schäferin“ (Nr. 9), E-Dur
Querpfeife, oder Pastoralflöte (Quelle 1), Quartflöte (Quelle 2), notiert gis1–h2 im G2-Schlüssel
Die autographe Quelle 1 enthält keinen Hinweis auf die Mitwirkung einer Quartflöte. Diese wurde also wohl erst bei der Erstellung der Partiturabschrift als Ersatz für die Querpfeife oder Pastoralflöte eingesetzt. Die Beschränkung der Partie auf die Töne der E-Dur-Tonleiter ist zwar typisch für Telemanns Pastoralflöte, nicht jedoch für die Querpfeife und die Quartflöte. Telemanns Stimmen für Querpfeife sind in der Regel auf die Töne der D-Dur-Tonleiter begrenzt und auf d2-Instrumenten ohne dis-Klappe spielbar. Hier war also der Einsatz einer um eine große Sekunde höher gestimmten Querpfeife mit der Grundtonleiter E-Dur geplant.
In den beiden folgenden Sätzen ist im Autograph eine Querpfeife, in der Partiturabschrift ersatzweise eine Quartflöte vorgesehen:25
Chor „Dich Schäfer, dessen Glück die Wälder widerhallen“ (Nr. 20), E-Dur
Querpfeife, notiert fis1–h2 im G2-Schlüssel26
Chor „Die Klugheit ist vom günstigen Geschicke“ (Nr. 26), E-Dur
Querpfeife, notiert gis1–fis2 im G2-Schlüssel.
Auf der ersatzweise für die Querpfeife vorgesehenen Quartflöte, also der Blockflöte in c2, sind diese Querpfeifen-Partien zwar spielbar, sie liegen allerdings nicht so bequem wie Telemanns originale Quartflöten-Partien.27
Kantate „Der May“, Hamburg um 1760 (TVWV 20:40)
Quelle 1: D-B, Mus. ms. autogr. Telemann 3(1) (Partitur)
Quelle 2: D-B, Mus. Ms 21781/10 (Partitur)
Sopran-Arie „Ich sah den jungen May“ Nr. 3 (h-Moll)
Quartflöte I, notiert gis1–a2 im G2-Schlüssel
Quartflöte II, notiert gis1–gis2 im G2-Schlüssel
III. Octavflöte
Diese Wortform ist 1749 und 1755 in zwei Werken Telemanns belegt. Eine Angabe in dem ähnlichen Wortlaut Flauto I. [bzw. 2.] all’ottava findet sich bereits 1729. Der Name des Instruments lässt am ehesten an eine hochoktavierende Blockflöte in f2 denken. Tatsächlich deuten die Belege von 1729 und 1755 auf ein solches Instrument; dagegen spricht der Befund bei dem Beleg von 1749 für ein Instrument in c2.
Oper „Flavius Bertaridus“, Hamburg 1729 (TVWV 21:27)
Ausgabe: G. Ph. Telemann, Musikalische Werke, Bd. 43, hrsg. von Brit Reipsch, Kassel 2006
Quelle: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann Nr. 2 (Partitur)
Sopran-Arie Nr. 28 „Mischt, ihr muntern Nachtigallen“ F-Dur
Flauto 1. all’ottava, Umfang notiert f1–f3 im G1-Schlüssel
Flauto 2. all’ottava, Umfang notiert f1–f3 im G1-Schlüssel
Die Instrumentenbezeichnung, der Tonumfang und die Notationsweise weisen die Partien eindeutig der f2-Sopraninoblockflöte zu.
Kantate „Die Sünd macht Leid“, Hamburg 1749 (TVWV 1:366)
Quelle: D-B, Mus. ms. 21740/150 (Stimmen)
Sopran-Arie „Kind, ich will dich ewig lieben“ (Nr. 6), c-Moll
2te Octav-Flöte, notiert c2–c3 im G1-Schlüssel, f-Moll
Bei der einzigen bekannten Quelle handelt es sich um den Originalstimmensatz von 1749, der um 1758 und um 1800 modifiziert und ergänzt wurde. Die Partie für die 2te Octav-Flöte ist in der Stimme der Hoboe enthalten, die um 1800 von Georg Michael Telemann geschrieben wurde.28 Die Notation im G1-Schlüssel in f-Moll ist allerdings nicht für eine Oktavflöte, sondern für eine Quartflöte in c2 eingerichtet. Über dem ersten System der Arie trägt die Stimme den Vermerk: Anstatt dieser Air werden aus der Beylage beyde Hoboen gespielt. Zwei Beilagen sind vorhanden: Die Hoboe 1 ist im G2-Schlüssel notiert und hat den Umfang g1–b2. Die Hoboe 2 enthält den Notentext der 2te[n] Octav-Flöte, jedoch im G2-Schlüssel in c-Moll mit dem Umfang g1–g2. Dadurch wird bestätigt, dass der Bläsersatz in dieser Arie zweistimmig angelegt ist. Eine der Hoboe 1 entsprechenden Blockflötenstimme ist jedoch nicht erhalten. Dieser Befund lässt vermuten, dass die Erwähnung der Octav-Flöte auf einem Irrtum beruht und ursprünglich eine Besetzung mit zwei Quartflöten vorgesehen war. Wenn die Partien transponierend im G1-Schlüssel in f-Moll geschrieben waren, hatten sie die Umfänge c2–c3 bzw. c2–es3, im G2-Schlüssel in c- Moll g1–g2 bzw. g1–b2.
Musik zum Konvivium der Hamburger Bürgerkapitäne, Hamburg 1755 (TVWV 15:20), bestehend aus Oratorio „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“ und Serenata „Ihr rüstigen Wächter hamburgischer Zinnen“
Ausgabe: G. Ph. Telemann, Musikalische Werke, Bd. 63, hrsg. von Bernhard Jahn, Kassel 2021
Quelle: D-B, Mus. ms. autogr. G. P. Telemann 9 (Partitur)
Serenata, Sopran-Arie „Wenn wohlverdienter Bürger Ehre“ (Nr. 15 bzw. 36), C-Dur
Octavflöte, notiert c2–e3 im G1-Schlüssel
Quartflöte, notiert e1–a2 im G2-Schlüssel
Die Quartflöten-Partien dieses Werks werden schon in Kapitel II erwähnt. Nach der Arie „Dich preisen die Scharen“ mit zwei Quartflöten besetzt Telemann die Arie „Wenn wohlverdienter Bürger Ehre“ mit je einer Octavflöte und einer Quartflöte. Letztere entspricht mit der Notation im G2-Schlüssel und dem Umfang e1–a2 den anderen Quartflöten-Stimmen und damit einer Partie für eine oktavierend klingende c2-Sopranblockflöte. Die darüber liegende Stimme für Octavflöte im notierten Umfang c2–e3 muss folglich ebenfalls in Vierfußlage erklingen. Nach der Notation im G1-Schlüssel – analog zur f1-Blockflöte – ist der Part für eine f2-Sopraninoblockflöte bestimmt.
IV. Zusammenfassung
Von 1719 bis 1733 verwendet Telemann für die c2-Sopranblockflöte den Begriff „Flauto piccolo“, 1729 einmal „Flauto alla quarta“ und von 1744 bis 1761 die Bezeichnung „Quartflöte“. Seltener kommt die f2-Flöte zum Einsatz: je einmal 1723 als „Flauto piccolo“, 1729 als „Flauto al’ottava“ und 1755 als „Oktavflöte“. Diese Änderung der Begriffe korrespondiert mit Telemanns Wechsel von der italienisch-französischen zur deutschen Terminologie 1733/34.29
Der Vergleich mit Werken seiner Zeitgenossen Georg Heinrich Schürmann (1718), Johann Sebastian Bach (1724), Gottfried Heinrich Stölzel (1729/30), Johann Daniel Pucklitz (1749), Johann Georg Röllig (1750) und Johann Wilhelm Hertel (um 1760) zeigt, dass Telemanns Praxis bezüglich der Verwendung und der Notation der f2-Blockflöte mit der seiner Kollegen übereinstimmt. Die große Zahl der Werke Telemanns für die c2-Sopranblockflöte ist allerdings zu seiner Zeit singulär. Trotz der Erwähnung des Instruments bei Speer, Janowka, Walther, Eisel und Berlin sind aus Deutschland bisher nur Kompositionen von Johann Paris Feckler („Flautino“, Mainz 1702), François Dieupart („Flautino“, Dresden um 1730) und Johann Samuel Endler („Flauto piccolo“, Darmstadt 1759) mit c2-Blockflöte bekannt.30 Ob es diesbezüglich eine Verbindung zwischen Hamburg und London gab, ist nicht bekannt. Jedenfalls war die c2-Blockflöte zu Telemanns Zeit in London als „Fifth Flute“ gebräuchlich und wurde bei John Baston, Georg Friedrich Händel und Giuseppe Sammartini in der gleichen Art transponierend notiert wie bei Telemann.
Anmerkungen:
[1] Im Unterschied dazu nennt Telemann die Piccolotraversflöte „Traversière a l’octave“, z. B. in seiner Grillen-Symphonie (TWV 50:1), Konzert für Querflöte oder/und Piccoloflöte, Oboe, Chalumeau (Klarinette), zwei Kontrabässe (Violoncelli), zwei Violinen, Viola und Generalbaß, hrsg. von Peter Thalheimer; Neuhausen-Stuttgart 1978 (Hänssler), jetzt Carus-Verlag Stuttgart CV 39.801. Die gleiche Instrumentenbezeichnung ist zu finden bei Michel Corrette: Methode pour apprendre aisément à joüer de la Flute traversiere; Paris 1735, S. 11. Vermutlich hat Telemann die Piccolotraversflöte und ihre französische Bezeichnung während seiner Paris-Reise 1737/38 kennengelernt.
[2] U. a. wurden ausgewertet: Hans Hörner: Gg. Ph. Telemanns Passionsmusiken. Ein Beitrag zur Geschichte der Passionsmusik in Hamburg; Borna-Leipzig 1933. – Joachim Schlichte: Thematischer Katalog der kirchlichen Musikhandschriften des 17. und 18. Jahrhunderts in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main; Frankfurt am Main 1979 (Kataloge der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Band 8). – Joachim Jaenecke: Georg Philipp Telemann. Autographe und Abschriften. Katalog; München 1993 (Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Kataloge der Musikabteilung. Erste Reihe: Handschriften, Band 7). – Werner Menke: Thematisches Verzeichnis der Vokalwerke von Georg Philipp Telemann; Frankfurt am Main, Bd. 1 21988, Bd. 2 21995. – Jürgen Neubacher: Georg Philipp Telemanns Hamburger Kirchenmusik und ihre Aufführungsbedingungen (1721–1767); Hildesheim u.a. 22012. – Siegbert Rampe: Georg Philipp Telemann und seine Zeit; Laaber 2017.
[3] Peter Thalheimer: Die hohen Blockflöten in der Zeit von 1700 bis 1760. Untersuchungen zur Interpretation der Termini „Flautino“ und „Flauto piccolo“; Stuttgart 1972 (masch.), S. 46, 58–60, 83–84. – Lenz Meierott: Die geschichtliche Entwicklung der kleinen Flötentypen und ihre Verwendung in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts; Tutzing 1974 (Würzburger musikhistorische Beiträge. Herausgegeben von Wolfgang Osthoff. Band 4), S. 229f, 233. – Hans Oskar Koch: Sonderformen der Blasinstrumente in der deutschen Musik vom späten 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts; Dissertation Heidelberg 1980, S. 27, 30, 47. – Klaus Hofmann: Vorwort zu: Georg Philipp Telemann: Più del fiume da diletto / Einem eingezogenen Leben. Arie für Sopran, Sopranblockflöte oder Oboe und Cembalo (…), Neuhausen-Stuttgart 1981 (Hänssler), jetzt Carus-Verlag Stuttgart CV 39.450. – Willi Maertens: Georg Philipp Telemanns sogenannte Hamburgische Kapitainsmusiken (1723–1765); Wilhelmshaven 1988 (Quellenkataloge zur Musikgeschichte. Herausgegeben von Richard Schaal, 21). – Ulrike Teske-Spellerberg: Der unbekannte Telemann. Obligate Blockflötenpartien in seinen unveröffentlichten Kantaten; in: Tibia 4/1991, S. 599–610. – Erich Tremmel: Die „Quartflöte“, insbesondere in Werken Telemanns; in: Telemann und Bach, hrsg. von Brit Reipsch und Wolf Hobohm, Hildesheim 2005 (Magdeburger Telemann-Studien XVIII), S. 243–262. – Erich Tremmel: Aspekte der Instrumentation bei Georg Philipp Telemann, in: Freiheit oder Gesetz? Aufführungspraktische Erkenntnisse aus Telemanns Handschriften, zeitgenössischen Abschriften, musiktheoretischen Publikationen und ihre Anwendung. Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz Magdeburg, 15. bis 17. März 2000, anlässlich der 15. Magdeburger Telemann-Festtage, hrsg. von Dieter Gutknecht, Wolf Hobohm und Brit Reipsch, Hildesheim 2007 (Telemann-Konferenzberichte, Band XIII), S. 34–53, hier S. 44. – David Lasocki: Not just the Alto. Sizes and Types of Recorder in the baroque and classical Periods; Portland 2020.
[4] Peter Thalheimer: Die Geschichte der „Quartflöte“ im 17. und frühen 18. Jahrhundert; Tibia online (01.09.2025).
[5] Für zahlreiche Ratschläge sei Klaus Hofmann herzlich gedankt.
[6] Ausführlicher in der Geschichte der Quartflöte, wie Fußnote 4.
[7] Die Quellen werden mit den RISM-Bibliothekssigeln zitiert.
[8] Bei W. Menke (21995), S. 66, irrtümlich Fl.picc.e.trav1,2,3.
[9] H. O. Koch (1980), S. 30f, weist die Partien dem d2-Flageolett zu und begründet dies mit der Notation im G2-Schlüssel und dem Hinweis auf Johann Gottfried Walther, Musikalisches Lexikon, Leipzig 1732, S. 247: Flautino, Flauto piccolo (ital.) Petite Flûte (gall.) ist eben was Flageolet.
[10] Weitere spätere Quellen bei RISM und Joachim Jaenecke, S. 145–147.
[11] Flauto piccolo II ist in der Quelle 2 (Stimmensatz) nicht vorhanden.
[12] Ute Poetzsch vermutet im Vorwort zur Erstausgabe, S. XX und XXXII, eine Bestimmung für „Diskant-Blockflöte in d2“ und hält die Rostocker Stimme für „falsch notiert“. Tatsächlich fehlt dort in der Vorzeichnung für B-Dur das zweite b, ansonsten ist die transponierende Notation für c2-Blockflöte korrekt.
[13] L. Meierott, S. 229–230
[14] D. Lasocki, S. 26
[15] H. O. Koch, S. 27
[16] Der Arientext „Augeletti, che cantate“ ist der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel entlehnt, die 1711 in London uraufgeführt wurde. In der entsprechenden Arie von Händel ist ebenfalls ein „Flauto piccolo“ besetzt, allerdings zusammen mit einer Sopranstimme.
[17] Werner Menke: Das Vokalwerk Georg Philipp Telemann’s. Überlieferung und Zeitfolge; Kassel 1942, S. 63; Werner Menke: Telemann als Verfechter deutscher Übersetzung der italienischen musikalischen Fachausdrücke; in: Neue Zeitschrift für Musik 108 (1941), S. 441f.
[18] W. Maertens (1988), S. 87
[19] Siehe Fußnote 4.
[20] Von dieser Oper sind nur die drei Arien erhalten, die Telemann in das Periodikum „Der Getreue Music-Meister“ aufgenommen hat.
[21] Vgl. W. Maertens, S. 94f
[22] E. Tremmel, S. 251, argumentiert mit diesen Stimmen für die Achtfuß-Klanglage der Quartflöte, für die Oberquarttraversflöte in g1 und mit der Unterschreitung des g1 zu fis1 als Grund für den Einsatz von Terztraversflöten. Allerdings kann bezüglich der Oktavlage nicht von einer Ersatzbesetzung auf die intendierte Originallage geschlossen werden.
[23] Vermutlich hat E. Tremmel die Quelle 4 nicht zur Kenntnis genommen.
[24] Zitiert nach dem Kritischen Bericht der Ausgabe von Brit Reipsch, S. 83.
[25] L. Meierott, S. 231, und H. O. Koch, S. 47, halten die Quartflöte hier für eine kleine Traversflöte in g1. Setzt man die Griffweise der d1-Traversflöte voraus, so müssten die Quartflöten-Partien auf diesem Instrument in H-Dur gegriffen werden. Eine kleine Quart-Traversflöte ist also völlig ungeeignet zur Wiedergabe dieser Partien.
[26] Die Verdoppelung der Violine I durch die Querpfeife ist im Autograph nicht zweifelsfrei geregelt. Möglicherweise reicht die Partie bis zum cis3.
[27] Wenn für heutige Aufführungen keine in E-Dur gestimmte Querpfeife verfügbar ist, kommt an Stelle der c2-Blockflöte auch die Verwendung einer Blockflöte in d2 in Frage.
[28] J. Jaenecke, S. 221.
[29] Siehe oben und Fußnoten 17 und 18.
[30] Die italienische und die französische Spieltradition der c2-Blockflöte bleiben hier unberücksichtigt.
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